Kunsthaus Zürich: Sammlung, die Bührle-Debatte und ein Besuch nach dem Chipperfield-Erweiterungsbau
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Kunsthaus Zürich: Sammlung, die Bührle-Debatte und ein Besuch nach dem Chipperfield-Erweiterungsbau

Quick Answer

Lohnt sich das Kunsthaus Zürich, und wie viel Zeit sollte man einplanen?

Ja — es ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Schweiz, mit der weltweit grössten Giacometti-Sammlung, bedeutenden Werken von Monet und Van Gogh sowie der Bührle-Sammlung im neuen Chipperfield-Flügel. Für einen richtigen Besuch sollten Sie 2 bis 3 Stunden einplanen, entsprechend mehr, wenn zusätzlich eine Sonderausstellung geöffnet ist.

Was der Chipperfield-Erweiterungsbau wirklich verändert hat

Das Kunsthaus Zürich hat sich im Oktober 2021 mit der Eröffnung eines neuen, vom britischen Architekten David Chipperfield entworfenen Baus direkt gegenüber am Heimplatz nahezu verdoppelt. Zuvor war die Sammlung des Museums — eine der grössten und bestausgestatteten der Schweiz — in einem Gebäude untergebracht, das nur einen Bruchteil des Bestands zeigen konnte. Der Erweiterungsbau ist ein schlichter, mit Kalkstein verkleideter Block, den manche Einheimische eher für eine Bank als für ein Museum halten, aber er hat ein reales Problem gelöst: Platz, um die Sammlung tatsächlich zu zeigen.

Die beiden Gebäude sind durch einen unterirdischen Gang unter dem Heimplatz verbunden, sodass ein einziges Ticket für beide gilt. In der Praxis beginnen die meisten Besucher im älteren Moser-Bau mit den historischen und Schweizer Sammlungen, bevor sie unterirdisch in den neuen Flügel zur Bührle-Sammlung und einem Grossteil der Kunst des 20. Jahrhunderts wechseln. Wer wenig Zeit hat und sich für eine Hälfte entscheiden muss: Das ältere Gebäude enthält den grössten Teil dessen, was das Kunsthaus auszeichnet — die Giacometti-Räume und die Hodler-Sammlung.

Für den Überblick über Zürichs Museumslandschaft vergleicht unser Zürich-Museumsführer das Kunsthaus mit dem Schweizerischen Nationalmuseum und den kleineren Spezialsammlungen der Stadt — nützlich, wenn Sie überlegen, wie viele Museumsvormittage Ihre Reise überhaupt verträgt.

Die Sammlung, Gebäude für Gebäude

Das Moser-Gebäude: Schweizer Kunst und Giacometti

Das Kunsthaus beherbergt die weltweit grösste öffentliche Sammlung von Werken Alberto Giacomettis, des Schweizer Bildhauers, der vor allem für seine schmalen, langgestreckten Bronzefiguren bekannt ist. Das ist ein echter Grund für einen Besuch, selbst ohne besonderes Interesse an Schweizer Kunst allgemein — die Räume zeigen Skulptur, Malerei und Zeichnung aus seinem gesamten Schaffen, nicht nur ein oder zwei einzelne Stücke.

Neben Giacometti verfügt das ältere Gebäude über einen starken Bestand an Werken Ferdinand Hodlers, des Berner Malers, dessen markante, symmetrische Landschaften und Figurenbilder einen grossen Teil dessen prägen, was man sich unter „Schweizer Kunst” des frühen 20. Jahrhunderts vorstellt. Dazu kommt ein solider Bestand an Schweizer und europäischer Malerei des 19. Jahrhunderts sowie ein Skulpturengarten, der bei gutem Wetter einen gemächlichen Spaziergang lohnt.

Der Chipperfield-Flügel: die Bührle-Sammlung und das 20. Jahrhundert

Das Hauptaugenmerk des neuen Gebäudes liegt auf der Bührle-Sammlung: rund 170 Gemälde, zusammengetragen von Emil Bührle, einem Zürcher Industriellen, darunter impressionistische und postimpressionistische Werke von Monet, Cézanne, Degas, Renoir und Van Gogh. Nach internationalem Massstab ist das eine wirklich starke Werkgruppe — jene Namen, die anderswo eine Sonderausstellung anführen würden, sind hier dauerhaft zu sehen.

Der Chipperfield-Flügel zeigt zudem die Munch-Werke des Kunsthauses, eine ansehnliche Chagall-Gruppe sowie Kunst des 20. Jahrhunderts bis hin zu Rothko, Bacon und späterer Abstraktion. Vom Umfang her ist das nicht riesig im Vergleich etwa zu einer Nationalgalerie in einer Hauptstadt, aber das Verhältnis von Qualität zu Besucherandrang ist ungewöhnlich gut — das Kunsthaus ist selten so überlaufen, wie man angesichts der Sammlung erwarten würde.

Die Bührle-Sammlung: warum sie umstritten ist

Das lohnt sich zu verstehen, bevor Sie hingehen, denn es prägt, wie das Museum diese Gemälde heute präsentiert. Emil Bührle führte Oerlikon-Bührle, einen Zürcher Waffenhersteller, der während des gesamten Zweiten Weltkriegs Waffen an Nazi-Deutschland lieferte und dabei erheblich vom Konflikt profitierte. Einen Teil dieses Vermögens nutzte er für Kunstkäufe, von denen manche von jüdischen Sammlern stammten, die unter nationalsozialistischer Verfolgung zum Verkauf gezwungen waren — die Art von „Fluchtverkauf”, die Provenienzforscher heute als belastet einstufen, selbst wenn die Papierlage damals rechtmässig aussah.

Als die Sammlung der Bührle-Stiftung 2021 aus einer Privatvilla ins öffentlich zugängliche Kunsthaus zog, entfachte das eine Debatte neu, die in der Schweiz seit Jahrzehnten schwelte: ob ein öffentliches Museum solche Werke ohne mehr als ein Namensschild als Kontext zeigen sollte, und ob Zürcher Institutionen es sich nach dem Krieg zu bequem gemacht hatten, Bührles Geld und Förderung anzunehmen. Historiker, Journalisten und einige Nachkommen enteigneter Sammler argumentierten, die ursprünglichen Wandtexte hätten Bührles Kriegsgeschäfte beschönigt.

Der Druck führte zu Veränderungen. Ein unabhängiges Historikergremium wurde beauftragt, die Provenienz einzelner Werke genauer zu untersuchen, und das Museum hat sein Begleitmaterial seither erweitert — längere Wandtexte, zusätzliche Forschungsergebnisse neben den Gemälden und eine ausdrücklichere Anerkennung von Bührles Waffengeschäft und den umstrittenen Verkäufen.

Abgeschlossen ist die Geschichte nicht; Provenienzforschung zu Fluchtverkäufen ist naturgemäss langwierig und umstritten, und einige Werke sind weiterhin Gegenstand laufender Ansprüche. Wer mehr als die Darstellung des Museums selbst möchte, sollte sich vor dem Besuch informieren, statt sich allein auf die Ausstellungstexte zu verlassen — das Thema ist tatsächlich interessanter und unbequemer, als ein gewöhnliches Museumsschild vermittelt.

Tickets und Preise

Zürich ist generell eine teure Stadt, und das Kunsthaus ist kein Schnäppchen, liegt aber auch nicht ausserhalb des Rahmens vergleichbarer europäischer Museen. Das sind die aktuellen Standardpreise — prüfen Sie sie vor Ihrem Besuch auf der Website des Museums, da sich Preise und Ausstellungszuschläge im Jahresverlauf ändern.

TickettypUngefährer Preis
Erwachsene, SammlungCHF 23
Erwachsene, Sammlung + SonderausstellungCHF 32
Ermässigt (Studierende, Lernende, Senioren ab 65)CHF 18
Unter 18 JahrenGratis
Inhaber der Zürich CardGratis, Sammlung
Mittwochabend, 17–20 UhrCHF 5

Es gibt kein Kombiticket, das das Kunsthaus mit anderen Zürcher Attraktionen bündelt, wie es manche Städte für ihre Museen anbieten. Wer den Wert über einen längeren Aufenthalt hinweg abwägen möchte, findet in unseren Ratgebern Zürich mit kleinem Budget und Reisekosten in Zürich den Rahmen, in den ein Museumsticket wie dieses sich einordnet.

Wer sich das Anstehen an der Kasse sparen möchte, kann den Eintritt vorab buchen:

ein kombiniertes Eintrittsticket für das Kunsthaus Zürich

Öffnungszeiten und Zeitbedarf

Das Kunsthaus ist montags geschlossen, was so manche Besucher bei einer knapp getakteten Reiseplanung überrascht — prüfen Sie das vorab gegen Ihre Reisedaten. An den übrigen Tagen öffnet es in der Regel ab 10 Uhr, mittwochs mit verlängerten Öffnungszeiten bis 20 Uhr (ab 17 Uhr gilt der oben erwähnte ermässigte Tarif). Sonntags sind die Öffnungszeiten meist kürzer als an Wochentagen. Rund um Schweizer Feiertage variieren die Zeiten, prüfen Sie den aktuellen Fahrplan also lieber, statt etwas anzunehmen.

Für den Zeitbedarf vor Ort: 2 Stunden reichen für die Sammlung in angemessenem Tempo, 3 Stunden, wenn Sie zusätzlich eine laufende Sonderausstellung sehen möchten, und eher 4 Stunden, wenn Sie zu denjenigen gehören, die jeden Wandtext lesen und sich sowohl die Giacometti-Räume als auch die Bührle-Gemälde ohne Eile ansehen wollen. Das Museum ist selten so überlaufen, dass Sie um Sichtachsen kämpfen müssen — ein Grund, warum sich die zusätzliche Zeit meist lohnt: Sie können tatsächlich vor einem Gemälde stehen, statt es über die Schulter eines anderen zu fotografieren.

Anreise

Das Kunsthaus liegt am Heimplatz, am Rand der Zürcher Altstadt. Vom Zürcher Hauptbahnhof sind es 15 bis 20 Minuten zu Fuss, grösstenteils flach, durch Strassen, die sich für einen ersten Orientierungsspaziergang gut eignen, falls es Ihr erster Tag in der Stadt ist — unser Altstadt-Spaziergang durch Zürich führt auf einer Route, die nah vorbeiführt. Alternativ halten die Trams 3, 5, 8 und 9 alle an oder nahe bei Kunsthaus/Heimplatz; prüfen Sie die aktuelle ZVV-Netzkarte für die genaue Haltestelle, da Tramlinien gelegentlich angepasst werden. Details zum ZVV-Netz und den Tickets allgemein finden Sie in unserem Ratgeber Fortbewegung in Zürich (ZVV).

Wer im Zentrum Zürichs übernachtet, für den ist zu Fuss gehen die schlichtweg einfachste Option — das Museum liegt so nah am See, an der Altstadt und an der Bahnhofstrasse, dass öffentliche Verkehrsmittel für diese konkrete Strecke kaum Zeit sparen.

Praktische Tipps

Garderobe und Taschen: Grosse Taschen und Mäntel müssen in der Regel in die Garderobe, deren Nutzung kostenlos ist. Planen Sie zu Stosszeiten ein paar zusätzliche Minuten ein.

Audioguide: Ein Audioguide ist gegen Aufpreis erhältlich und deckt die Höhepunkte in beiden Gebäuden ab — lohnenswert, wenn Sie insbesondere zu den Bührle-Werken mehr als den Wandtext möchten, angesichts dessen, wie viel von dieser Geschichte ausserhalb des Bildrahmens liegt.

Fotografieren: Fotografieren ohne Blitz ist in der Sammlung in der Regel erlaubt, wobei die Regeln bei Sonderausstellungen mit Leihgaben abweichen können — achten Sie auf die Beschilderung in jedem Raum, statt eine generelle Erlaubnis anzunehmen.

Café: Vor Ort gibt es ein Café, praktisch für eine Kaffeepause zwischen den beiden Gebäuden, aber kein eigenes Ziel. Für eine richtige Mahlzeit bieten die umliegenden Strassen rund um die Altstadt mehr Auswahl — siehe gut essen in Zürich, ohne pleitezugehen für realistische Preise.

Andrang: Das Kunsthaus ist nach internationalen Museumsmassstäben selten wirklich überlaufen. Werktagmorgen sind am ruhigsten; mittwochabends wird es wegen der verbilligten späten Öffnungszeit etwas voller.

Das Kunsthaus mit dem Rest des Tages verbinden

Weil das Kunsthaus direkt am Rand der Altstadt liegt, lässt es sich mühelos in einen halben Tag einbauen, statt einen ganzen Tag zu beanspruchen. Eine sinnvolle Kombination: ein Vormittag mit Grossmünster und den Niederdorf-Gassen, das Kunsthaus nach dem Mittagessen, dann ein Spaziergang zum See für den Abend.

Wer einen ganzen Tag in Zürichs Zentrum plant, findet in unseren Ratgebern Zürich an einem Tag und wie viele Tage für Zürich, wo ein Museumsbesuch wie dieser im Verhältnis zu den übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt steht, und der Vergleich Zürich Card gegen Swiss Travel Pass lohnt sich, wenn Sie herausfinden möchten, ob eine der beiden Karten beim Eintritt hier tatsächlich Geld spart.

Falls in Ihrer Gruppe Personen weniger an impressionistischer Malerei interessiert sind: Zürich bietet in der Nähe genug, das nicht nach Kunstmuseum aussieht. Eine Stadt-Velotour deckt dieselben zentralen Strassen aus einem anderen Blickwinkel ab:

eine geführte Stadt-Velotour mit lokalem Guide

und Fussballfans in der Gruppe bevorzugen vielleicht das FIFA World Football Museum anstelle eines zweiten Kunstmuseumsbesuchs:

ein geführtes Eintrittsticket für das FIFA World Football Museum

Für einen längeren Aufenthalt zeigen die Ratgeber drei Tage in Zürich und kostenlose Aktivitäten, wie sich ein kostenpflichtiger Stopp wie das Kunsthaus gegenüber den wirklich kostenlosen Attraktionen der Stadt verhält — der See, die Altstadtgassen, die Aussichtspunkte kosten nichts. Steht Shopping als Nächstes auf Ihrer Liste, ist die Bahnhofstrasse nur einen kurzen Fussweg vom Museum entfernt, in die andere Richtung von der Altstadt.

Kunsthaus Zürich: häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet der Eintritt ins Kunsthaus Zürich?

Der reguläre Eintritt zur Sammlung kostet etwa CHF 23, mit einer laufenden Sonderausstellung rund CHF 32. Ermässigte Tickets (Studierende, Lernende, Senioren ab 65) kosten etwa CHF 18, Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Prüfen Sie die aktuellen Preise vor Ihrem Besuch auf der Website des Museums, da sie sich ändern können.

Worum geht es bei der Bührle-Kontroverse?

Emil Bührle war ein Zürcher Waffenfabrikant, der während des Zweiten Weltkriegs Waffen an Nazi-Deutschland lieferte und einen Teil seiner Kunstsammlung durch Käufe von jüdischen Eigentümern aufbaute, die unter Verfolgung zum Verkauf gezwungen waren. Als die Sammlung der Bührle-Stiftung 2021 ins Kunsthaus einzog, argumentierten Historiker und Aktivisten, das Museum präsentiere die Werke ohne ausreichende Auseinandersetzung mit dieser Geschichte — das führte zu einer unabhängigen Provenienzprüfung und erweiterten Wandtexten.

Wie viel Zeit sollte man im Kunsthaus Zürich einplanen?

Rechnen Sie mit 2 Stunden allein für die Sammlung, mit 3 Stunden, wenn Sie zusätzlich eine Sonderausstellung sehen möchten. Ausgesprochene Giacometti- oder Impressionismus-Fans sollten eher 3 bis 4 Stunden einplanen, da sowohl das ältere Moser-Gebäude als auch der neue Chipperfield-Erweiterungsbau gross sind.

Ist der Eintritt ins Kunsthaus Zürich kostenlos?

In der Regel nicht, aber es gibt Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Unter-18-Jährige haben immer freien Eintritt, Inhaber der Zürich Card erhalten freien Zugang zur Sammlung, und mittwochabends zwischen 17 und 20 Uhr gilt ein ermässigter Tarif.

Ist das Kunsthaus montags geschlossen?

Ja, das Kunsthaus Zürich ist montags geschlossen, wie die meisten Schweizer Museen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, mit verlängerten Öffnungszeiten bis 20 Uhr am Mittwoch. Prüfen Sie den aktuellen Fahrplan vor Ihrem Besuch, da sich die Öffnungszeiten an Feiertagen verschieben können.

Wie komme ich vom Zürich HB zum Kunsthaus?

Zu Fuss vom Zürcher Hauptbahnhof sind es 15 bis 20 Minuten, alternativ eine kurze Tramfahrt (Linien 3, 5, 8 oder 9) bis zur Haltestelle Kunsthaus oder Heimplatz, die direkt vor dem Gebäude liegt. Altstadt und die Bellevue-Uferpromenade sind anschliessend bequem zu Fuss erreichbar.

Lässt sich der Kunsthaus-Besuch mit anderen Aktivitäten in Zürich am selben Tag kombinieren?

Problemlos. Das Museum liegt am Heimplatz, wenige Minuten von der Altstadt, der Seepromenade und der Bahnhofstrasse entfernt, und lässt sich so mühelos in einen halben Tag Zürich-Sightseeing im Zentrum einbauen, ohne einen ganzen Tag dafür zu brauchen.

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